Fahrt nach Ypern

Der Verband Brüssel der Europa Union Deutschland organisierte am 09. April 2016 eine Informationsfahrt von Brüssel nach Ieper/Ypern zum Besuch des „In Flanders Fields Museum“ und zu den Soldatenfriedhöfen Tyne Cot (Commonwealth), Langemark und Vladslo (Deutschland)

von Ralf Bingel (Mitglied im Präsidium der Europa-Union Deutschland)

Fast einhundert, überwiegend junge Menschen nahmen am 9. April 2016 an der Fahrt nach Ypern und zu den Soldatenfriedhöfen teil. Bereits zum dritten Mal nach einer im Herbst 2014 durchgeführten Fahrt lud der Verband Brüssel der überparteilichen Europa Union Deutschland zu der Fahrt zu den Stätten der Kampfhandlungen des I. Weltkrieges ein. Die hohe Teilnehmerzahl belegt, dass es gerade heute auch sehr vielen jungen und jung gebliebenen Menschen wichtig ist, über 100 Jahre nach dem Beginn des Krieges an das aus heutiger Sicht unermessliche Leid, dass der Krieg über die Menschen gebracht hat, zu erinnern, um zu verstehen, welche gemeinsamen Errungenschaften ganz aktuell auf dem Spiel stehen, wenn die europäische Einigung nicht in maßvollen Schritten weitergeführt werden kann.

Nach einer ca. anderthalbstündigen Busfahrt, bei der die beiden Stadtführerinnen des Freundeskreises der deutschsprachigen Stadtführer die ersten Informationen über das Geschehen in und um Ypern schilderten, kam man direkt am Menentor, das Ehrenmal für die Gefallenen des Britischen Commonwealth im Ersten Weltkrieg mit den eingravierten Namen von 54.896 vermissten und gefallenen britischen Soldaten, in der Stadt an. Hier wird jeden Abend um 20:00 Uhr als Erinnerung der Zapfenstreich „The Last Post“ geblasen Als erster Punkt stand der Besuch des „In Flanders Fields Museum“ auf dem Programm Das Museum selbst beschreibt sich als ein „Spiegel der Geschichte“. Es konfrontiert die Besucher, Alt und Jung, mit dem Leben und dem Tod in der Frontregion Yperns. „Es hält uns einen Spiegel vor und lässt uns darüber nachdenken, wie wir mit unserer Vergangenheit und der aller anderen betroffenen Länder umgehen. Menschen kamen aus mehr als fünfzig verschiedenen Ländern und Kulturen, um am Krieg in Flandern teilzunehmen. Heute begrüßt das Museum folglich Besucher aus der ganzen Welt. Und konfrontiert sie mit dem globalen Charakter eines Weltkrieges, der vor 100 Jahren stattfand“. Das Museum ermöglicht durch seinen Aufbau einen individuellen Weg, sich den Geschehnissen zu nähern. Durch das am Eingang erhaltene „Poppy-Armband“ (dazu zum Ende des Artikels mehr) gelingt es, auch persönliche Einzelgeschichten von Kriegsteilnehmern kennenzulernen. Am Ende des Besuchs kann sogar ein Ausdruck dieser Darstellungen ausgedruckt mitgenommen werden. Es blieb nicht der einzige nachhaltige Eindruck, den die Teilnehmer an diesem Tag erhielten.

Nach einem kleinen Stadtrundgang fuhr die Gruppe dann mit den Bussen zum größten Soldatenfriedhof des Commonwealth „Tyne Cot“ auf dem über 11.000 britische Soldaten ihre letzte Ruhestätte fanden. Es war ein sehr eindringliches Erlebnis, dass gerade bei unserem Besuch zwei britische Gruppen ebenfalls auf dem Friedhof zu Besuch waren. Denn Teilnehmer der einen Gruppe trugen ein Lied a cappella vor, das den Zuhörern „unter die Haut“ ging. In diesem Moment, da bin ich mir sicher, waren wir uns alle einig, dass es eine gemeinsame Aufgabe sein muss, Europa, die europäische Einigung, nicht preiszugeben, egal wie groß die Herausforderungen auch sein mögen. Danach besuchten wir den deutschen Soldatenfriedhof in Langemark http://www.volksbund.de/kriegsgraeberstaette/langemark.html Hier liegen weit über 40.000 deutsche Soldaten begraben, die von unterschiedlichen Friedhöfen hierher umgebettet wurden. Wer sich über den sogenannten Langemark-Mythos informieren möchte, kann das unter folgender Webadresse tun: http://www.faz.net/aktuell/politik/der-erste-weltkrieg/der-mythos-von-langemarck-13256715.html     

Unter dem Titel: „Langemark, der verschleierte Irrsinn“ hat die FAZ am 10. November 2014 einen informativen Text veröffentlicht. Zum Abschluss sind wir noch zu einem weiteren deutschen Soldatenfriedhof in Vladslo gefahren. Dort sind über 25.000 deutsche Soldaten begraben. Unsere Stadtführerinnen wiesen darauf hin, dass  die  von Käthe Kollwitz entworfene Figurengruppe „Trauerndes Elternpaar“  ihre eigenen Gesichtszüge und die von ihrem Mann tragen würden. Käthe Kollwitz hat die Skulptur zum Andenken an ihren im Ersten Weltkrieg gefallenen Sohn Peter gestaltet. Wer sich mit seinem Schicksal weiter beschäftigen möchte, findet unter http://www.zeit.de/1996/48/Das_kurze_Leben_des_Peter_Kollwitz weitere Informationen. Mit dem Betrachten der Skulptur des trauernden  Elternpaares endete der Besuch in Ieper/Ypern und auf den Friedhöfen und wir fuhren zurück nach Brüssel.

Ich habe versprochen, den Begriff „Poppy“ noch zum Schluss anzusprechen. Es handelt sich um den Text eines Gedichtes von John McCrae, der seinen besten Freund in Flandern in den Gefechten verloren hat. Hier der Text des Gedichtes. Eine visualisierte Version findet sich hier.

Das Bild des rot blühenden Klatschmohn und die Mohnblüte an sich wurden in der englischsprachigen Welt  zum Symbol für gefallenen Soldaten, der bis auf den heutigen Tag, wie der Vortrag der Gruppe auf dem Friedhof Tyne Cot belegte, gedacht wird.

John McCrae: In Flanders Fields

In Flanders fields the poppies blow
Between the crosses, row on row,
That mark our place; and in the sky
The larks, still bravely singing, fly
Scarce heard amid the guns below.

We are the dead. Short days ago
We lived, felt dawn, saw sunset glow,
Loved, and were loved, and now we lie
In Flanders fields.

Take up our quarrel with the foe:
To you from failing hands we throw
The torch; be yours to hold it high.
If ye break faith with us who die
We shall not sleep, though poppies grow
In Flanders fields


Übrigens: Alle britischen Schülerinnen und Schüler müssen im Laufe ihrer Schulzeit Ypern besuchen.
 
EUD Logo