Auf Flanderns Feldern

Auf Flanderns Feldern

…grasten am zweiten Oktoberwochenende 2016 Kühe in der Herbstsonne, Blumenkohl wurde geerntet und an den Linden am Straßenrand färbten sich die ersten Blätter gelb. Vor 100 Jahren lieferten sich hier im bis dahin verheerendsten Krieg die Gegner über vier Jahre einem vernichtenden Stellungskrieg. Menschen aus mehr als fünfzig verschiedenen Ländern waren an den Schlachten in Westflandern beteiligt. Außerdem wurde Ypern zum Begriff für eine neue, brutale Art der Kriegsführung: Rund um die Stadt wurde von deutschen Truppen das erste Mal Giftgas eingesetzt. Tausende starben daran qualvoll in wenigen Minuten. „Ypérite“ ist in Frankreich bis heute ein Synonym für Giftgas.

Der Brüsseler Verband der Europa-Union Deutschland organisierte am 8. Oktober 2016 für deutschsprachige Praktikantinnen und Praktikanten, junge Berufstätige und Mitglieder der Europa-Union eine Informationsreise nach Ypern.
Auf dem Programm stand neben dem Besuch der interaktiven Ausstellung von Erlebnisberichten über das Schlachtfeld bei Ypern im Museum „In Flanders Fields“ ein Stadtrundgang mit Besuch der Sankt-Martins-Kathedrale, der Saint George Memorial Church, Gedenkstätte für die mehr als 500 000 gefallenen Soldaten aus dem Vereinigten Königreich und dem Commonwealth, und des Ehrenbogens „Menenpoort“. Auf dem von Bürgerhäusern umgebenen Marktplatz gab Reiseführerin Brigitte Schils Einblicke in die Geschichte der Stadt und Antwort auf die Frage, warum Klatschmohn zum Symbol für die Gefallenen wurde.

Anschließend ging es zum größten Soldatenfriedhof des ehemaligen Commonwealth „Tyne Cot“ und zu den deutschen Soldatenfriedhöfen in Langemark und Vladslo. In Langemark sind 44 304 deutsche Soldaten begraben, 25 645 ruhen in Vladslo. Zudem steht hier eines der bekanntesten Friedhofkunstwerke, das „Trauernde Elternpaar“ von Käthe Kollwitz. Sie schuf die Skulptur zum Gedenken an ihren Sohn Peter, dessen Grabstein sich ebenfalls dort findet.

Teilnehmende über die Fahrt:
Nicole Zimmermann, Praktikantin im Europäischen Parlament:
„Wenn man sich die idyllische Landschaft, die weiten Felder und Kuhherden betrachtet, so ist es unvorstellbar, dass hier vor 100 Jahren über eine Million Soldaten und Zivilisten ihr Leben ließen. Das Erschütterndste für mich ist die Anonymität der abertausend begrabenen Soldaten hier. Hautnah erfährt man die schreckliche Wahrheit über den Ersten Weltkrieg im Flanders-Fields-Museum.“


Valentin Lang, Praktikant in der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der Europäischen Union:
„Bisher hatte ich mich außerhalb der Schule kaum mit dem Ersten Weltkrieg beschäftigt und war noch nie auf einem Soldatenfriedhof. Meistens wird der Zweite Weltkrieg thematisiert, weshalb es gut war, sich auf dieser Fahrt mit dem Ersten Weltkrieg auseinanderzusetzen. Am Museum hat mir gefallen, dass neben der Schilderung des Kriegsverlaufs auch versucht wurde, die Erlebnisse der Menschen vor Ort zu verdeutlichen, sodass man sich selbst hineinversetzen konnte. Vor dem Hintergrund der aktuellen Flüchtlingsproblematik ist es gut, daran erinnert zu werden, dass wir in Europa vor 100 Jahren (und später im Zweiten Weltkrieg) selbst auf der Flucht und auf die Hilfe anderer angewiesen waren. Es zeigt, dass der Frieden bei uns nicht so selbstverständlich ist, wie man in unserer Generation schnell glaubt. Ich fand es sehr interessant, dass sich die Soldatenfriedhöfe nach Nationalität unterscheiden. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass wir diesen Orten als Reisegruppe nicht gerecht wurden. Hier hätte man vielleicht mehr Zeit aufwenden müssen, um sich mit den Orten ernsthaft auseinandersetzen zu können. Auch im Museum habe ich den zweiten Teil mangels Zeit nicht mehr richtig anschauen können. Passend zur Europa-Union lehrte der Ausflug, wie wichtig das Friedensprojekt der Europäischen Union ist. Vielen Dank!“

Thorsten Bergmann, Praktikant bei Evonik Industries:
Der Besuch des Museums hat mir vor Augen geführt, wie gut es uns geht und wie schnell wir das leider vergessen. Alle Freiheiten und Chancen, die wir genießen, sind zur Selbstverständlichkeit geworden. Sie sind aber nur möglich, wenn wir in einem geeinten und friedlichen Europa leben.“ 

Robert Eagleton, Generalsekretär der Jungen Europäische Föderalisten Brüssel:
"Our visit to the battlefields, mass graves, and war museums of Flanders has taught us that we cannot be complacent about peace and unity on our continent. We must, as we have ever since the Schuman Declaration, continue to recognise and embrace the interdependent nature of our continent. Indeed, for while Europe presently faces a plethora of challenges, it is imperative to remember that we can, have, and will overcome far worse. Furthermore, it is only through continued integration and cooperation that we can ensure that the peace we enjoy today is a peace which is ever lasting. By working together we can safeguard the future while simultaneously erasing “war” from the vocabulary of tomorrow’s generation. Thank you for organising such a terrific event."

Bericht: Juliane Rinas

Finden Sie die Fotos dazu in der Bildergalerie


 
EUD Logo